15:40 / 18.07.2007
Und weiter gehts mit unserem "Wie tu ich so, als hätte ich eine Ahnung von Genetik in 3 Wochen"-Instantkurs
Die in den vorigen Schritten gewonnene RNA muss nun mit Hilfe der "reversen Transkriptease" (ein Enzym, das eine DNA-Kopie einer RNA anfertigt) in cDNA umgeschrieben werden.
Zu Beginn muss man eine Menge Reagentien herstellen (Phosphatbuffer, Aminoallyl dUTP, Labeling Mix, Cy-dye Ester (Färbungsmittel) und andere Buffer), auf deren Produktion ich nicht eingehe.
Die reverse Transkriptease (kurz RT) baut in den neu synthetisierten cDNA-Strang modifiziertes Uracyl (ersetzt bei cDNA und RNA das Thymin der herkömmlichen DNA), an das später das Cy-dye (der Farbstoff) andocken kann, ein.
Nach der Inkorporation des aa-dUTP (modifiziertes Uracyl) entfernt man die nicht inkorporierten Nukleotide mit Hilfe eines speziellen Buffers. Dabei presst man die mit dem Buffer vermengte Probe immer wieder mit Zentrifugation durch einen Filter, sodass nicht eingebautes aa-dUTP und freie Amine aussortiert werden.
Man trocknet die Probe in einer Vakuum-Zentrifuge und koppelt anschließend die aa-cDNA mit dem Farbstoff.
Den Cy-Farbstoff pipettiert man in die mit einem Buffer vermengte Probe ein und aus und lagert sie anschließend im Dunklen.
Wieder mit einem Buffer entfernt man die nicht eingebauten Farbfragmente.
Jetzt folgt die Hybridisation der Proben, also ihr Auftragen auf den Microarray.
Vor der Hybridisation bereitet man die Microarrays vor, man wäscht sie also mit Wasser und Isopropanol.
Bei dem Färben verwendet man 2 Farbstoffe, rote und blaue. Diese vermengt man jetzt miteinander, trägt sie auf dem Microarray auf und lagert diesen in Alufolie verpackt.
Der Sinn all dieser Tätigkeiten offenbart sich erst später, beim Einscannen der Genchips. Erstens sprengte, erklärte ich jetzt sofort alles, die Beschreibung seinen Rahmen, andererseits bediene ich mich der billigen, aber bewährten Methode, die Erklärung der Hauptsache aufzuschieben, um den sowieso etwas spärlichen Spannungsbogen dieser Dokumentation aufzutunen.
14:40 / 18.07.2007
Wie vorgestern geschrieben, sind die von uns isolierten RNAs jämmerlicher Weise unbrauchbar. Es stellte sich heraus, dass die Proben auf Grund von Bakterienbefall so sind. (Zumindest ein kleiner Wermutstropfen, da der Defekt also nicht dem µ-Team zuzuschreiben ist.)
Folglich hantierten wir am heutigen Tag mit Proben aus einem früheren Projekt. Diese enthalten die (NUR-77-)Bakterien, mit denen ein Teil unserer Proben behandelt worden ist, nicht, also werden wir nicht so viele Resultate erlagen wie geplant.
Obwohl das Projekt ein wenig von der Montagsenttäuschung überschattet ist, scheint die Sonne unbeirrt gnadenlos weiter. Wir versuchen, uns ein Beispiel an ihr zu nehmen.
Nachdem Andi gestern dankenswerter Weise die cDNA (in DNA umgeschriebene RNA) aus den früher isolierten RNAs gewonnen und das "Aminoallyl Labeling"-(siehe Forschungsdokumentation) durchgeführt hatte, färbten wir die cDNA mit rotem und blauem Farbstoff, um sie später auf den Microarrays (->Links) erkennen zu können. Sylvia und ich trugen die hybridisierte Probe auf 4 Genchips auf, die jetzt friedlich, in Alufolie eingehüllt die Zeit bis Morgen Früh bei angenehmen 42°C verbringen.
Da unser Projekt aus vorhin geschilderten Gründen ziemlich durcheinandergebracht und in geplanter Weise nicht realisierbar ist, überlegen sich unsere Betreuer einen Plan B, über dessen Details wir bei einer morgigen Sitzung aufgeklärt werden.
Trotz Allem herrscht jetz eine ganz positive Stimmung, alle hoffen, die Kurve kratzen und doch noch in den verbleibenden eineinhalb Wochen ein abgeschlossenes Projekt, das sich sehen lässt, auf die Beine stellen zu können.