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Hannah Dietze
Letztes Update: 21:58 / 31.07.2008

Donnerstag, 31. Juli 2008

  DAY FIVE - Der zweite Tag mit Molekular Michi

Der Weg zur Uni mit dem Fahrrad ist immer wieder eine Episode. Zuerst wird mein liebes Uralt-KTM Bike fieberhaft über Stufen geschleppt und dann unter größter Kraftaufwendung - weil natürlich immer Zeitdruck - zur Uni geradelt.

Heute Früh haben wir sofort die Proben, die wir gestern kühl gestellt und mit Puffer bedeckt haben, um sie heute weiterverwenden zu können, mit Antikörpern versehen. Momentan befinden wir uns in einer einstündigen Rastzeit (oder wofür auch immer RT stehen mag... RestTime? RealTime? RaabTours? RadioTelephone? RespiratoryTherapy? RoomTemperature? ... es gibt so viele ungeklärte Rätsel...).



Eine Frage, die uns besonders beschäftigt, ist jene, ob denn wirklich alle Abwässer in den Uni-Teich gehen, oder ob es sich dabei nur um ein offenbar harnäckig aber lustiges Gerücht handelt. Unter uns PraktikantInnen sind die Meinungen geteilt und das Thema hat sich als höchst kontrovers herausgestellt.

Was mir an dem gemütlichen Büro, in dem wir bloggen dürfen und in dem auch die ganzen ForscherInnen ihre Arbeitsplätze haben, Ellenbogen an Ellenbogen, besonders gefällt, das ist die schwarze Kräuselhaarperücke am Regal über mir. Angeblich gehört sie dem geheimnisvollen Jarek, den wir noch nie zu Gesicht bekommen haben. Manche vermuten, dass er von seiner Kuba-Reise der letzten paar Wochen nicht mehr zurück kommen wird, weil er sich ein Haus samt Kubanerin gekauft hat...



Das Scanning der gestempelten Proben zahlt sich aus: So gut wie jedes der Glasplättchen gibt ein wunderebares Rastermuster her unterm Floureszenzmikroskop.

Mittwoch, 30. Juli 2008

  DAY FOUR - Ein Tag mit Molekular Michi

Sofort in der Früh nach dem Zehn-Stockwerke-Im-Lift-Trip werden wir von Michi mit dem Tagesprogramm konfrontiert: Wir werden stempeln. Jeder zückt schon erfreut seine Tiger, Leoparden und Puma-Stempel aus Kindertagen (ja, wir sind Macintosh-AnhängerInnen... ) - aber nein: Wir verwenden ganz kleine Gel-Stempel in Form eines Gitters. Mit diesen werden wir BSA-Cy5, welches rot leuchtet, auf Glasplättchen stempeln und später die Zwischenräume mit Streptavidin ausfüllen. An das Streptavidin werden biotinisierte Antikörper gebunden, welche grün leuchten. Wir freuen uns allein schon beim Gedanken an das wunderbare Muster wie SchneekönigInnen.

Das brutale Laborleben

Also schneiden wir mit mehr oder weniger Erfolg Stempel aus, waschen diese, bringen sie auf Glasplättchen an, entsorgen sie und füllen schließlich, nach mehrmaligem Waschen mit Ethanol und destilliertem Wasser, die Zwischenräume mit einer Lösung, die die biotiniesierten Antikörper enthält. Über Michis Engagement sind wird begeistert - sie widmet uns praktisch ihre ganze Zeit und erklärt uns alles ganz gen-au.

Flüssiger Stickstoff

Die Kardinalfrage, die sich dabei stellt - welchen praktischen Nutzen hat das Ganze? (Manch eineR fragt sich vielleicht wieso man unbedingt rot und grün kombinieren muss und nicht schwarz und blau zur Koalition zwingen kann... aber das ist dann wohl eine andere Geschichte... ) Molekular Michi antwortet flott auf diese Frage: Mit dieser Technik kann man die Interaktion zwischen Proteinen innerhalb der Zelle untersuchen.



Zwischen den Sessions im Laborkammer versuchen wir und mit mittelmäßigem Erfolg im chemischen Rechnen und führen heiße Diskussionen mit Michi darüber, wieviel Zucker denn nun wirklich eine Kaffeetasse verträgt.

  DAY TWO & DAY THREE - Zwei Tage mit Super Mario

Tag 2 und 3 unseres Praktikum bestreiten wir mit Super Mario alias Mario Brameshuber.

Mithilfe verschiedener Laser - einem Argon-betriebenenn und einem Krypton-betriebenen (was die uns zur Annahme brachte, dass Super Mario in wirklichkeit Super Man ist und mit seinem Experiment versucht die für ihn so schädliche Strahlung von Kryptonid auszulöschen - daher der Krypton-Laser) bringen wir Stoffe in der Membran von Zellen zum Leuchten. Auf spannensten Wegen werden die Laserstrahlen über das Setup gespiegelt bis sie sich schließlich im Mikroskop wiedertreffen und dort die sich an der Unterseite der Probe befindlichen GPI-GFP durch Totalreflexion und dem Phänomen der evaneszenten Welle angeregt werdenn. Mit einer hochsensiblen Kamera werden die Photonen detektiert und von einem Computerprogramm aufgezeichnet. Diese berechnet für jeden Punkt die jeweilige Lichtintensität. Je intensiver, desto mehr floureszierende Teilchen befinden sich mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit an dieser Stelle - denn genau darum geht es, zu untersuchen, wie sich eine Gruppe von bestimmten Proteinen verhält.

Was Mario mit diesem Experiment zeigen will, ist, dass sich bestimmte Proteine in der Zellmembran zu meist Dimeren zusammenschließen und somit kleine "Flöße" - auf Englisch "Rafts" - bilden. Wird die Zelle einmal erhitzt und somit Fieber simuliert, so trennen sich scheinbar die Proteine von einander - das heißt, die Rafts lösen sich auf.

  DAY ONE - Ein Tag mit Daniel Düsentrieb

Weil ich den eigentlich ersten Tag - gestern - krank daheim verbracht habe, hab ich mich heut Früh zum ersten Mal in diesen Sommerferien zum TNF-Turm der Uni Linz vorgekämpft und bestreite soeben den ersten Tag meines Praktikums.

"Ich glaub ich schreib an lustigen Blog..."
"Wird ihn wer lesen?"
"Eher nicht."
"Naja, dann kannst ja wenigstens deine schrifstellerischen Fähigkeiten herzeigen..."

Momentan sitze ich mit Wissenschafter Daniel Düsentrieb, wie ich ihn fantastischerweise nennen darf, neben einem Wahnsinns-Laser, mit dem er Farbstoffe, mit denen Kinasen in der Membran von Endothelzellen markiert sind, zuerst aktiviert und dann zum leuchten bringt. Kinasen sitzen an der Innenseite der Zellmembran und lassen sich daher gut verwenden, um die Markierung von Teilchen in der Membran zu simulieren. Denn dieses Experiment, bei dem ein Haufen an kleinen Spiegeln, Linsen und Blenden zum Einsatz kommt, ist nur einmal ein Test für das spätere "echte": Daniels Diplomarbeit. Bei dieser wird es sich darum handeln - stark vereinfacht, und mehr als wahrscheinlich nicht ganz korrekt erfasst von mir - Kanäle in der Zellmembran auf die Anzahl ihrer Untereinheiten zu untersuchen. Gegenwärtige Spekulationen, so Daniel, belaufen sich auf drei oder vier solcher Untereinheiten.

Bei der Messung ergeben sich immer wieder kleinere bis eher größere Probleme. Die Laserstrahlen müssen justiert, am Computer herumprobiert und die richtige Zelle ausgewählt werden - und hundert andere Dinge bedacht werden. Ein bzw. mehrere besondere Probleme, mit denen Daniel am Beginn seiner Arbeit vor ein paar Monaten nicht gerechnet hat, scheint zu sein, dass die Aktivierung des Farbstoffes, mit denen die Kinasen markiert sind, nicht ganz so gut kontrolliert werden kann, wie angenommen. Der Farbstoff muss von einem violetten Laser zuerst aktiviert werden und dann von einem anderen Laserstrahl - dem "blauen", der aber, wie wir schon festegestellt haben, mehr ins Grüne bis Türkise geht - detektiert werden. Hierbei will man, dass nicht alle Kinasen zum Leuchten gebracht werden, sondern nur ein paar, anderenfalls wären die Lichtpunkte, die man bekommt, zu dicht nebeneinander, um brauchbare Information zu bekommen. Das Problem besteht nun darin, dass der zweite Laser, der eigentlich nur detektieren und nicht anregen sollte eben genau dies tut - er regt weitere Farbstoffe an und verfälscht damit die Messung.

Auch lustig stellt sich der Umgang der Forschenden untereinander heraus: Steht eineR knapp vorm Nervenzusammenbruch, weil etwas nicht ganz so funktioniert, wie es sollte - oder gar nicht - so bieten sie sich gegenseitig ihre Schultern an zum ordentlich Hinhauen und Aggressionsabbau. Nebenbei hören wir unter anderem Mediengruppe Telekommander, Digitalism und Deichkind.

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katharina.mueller - 31. Jul, 21:44
wow, also gibts doch...
hallo maja, das freut mich aber von dir ein comment...
hannah.dietze - 31. Jul, 17:25
doch doch
wird gelesen! ;-)))) tatsächlich sehr interessante...
Maja Tumpej - 31. Jul, 11:24

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Zuletzt aktualisiert: 31. Jul, 21:58

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