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Melanie Hinkel
Letztes Update: 00:35 / 30.09.2010

WAS: Laborpraktikum

ORT: IMBA (Institute of Molecular Biotechnology) in der Dr. Bohr-Gasse im 3. Bezirk

GRUPPE: Direktor Josef Penninger, welche vor allem Experimente am Organismusmodell Maus durchführt

DAUER: 1 Monat, Mo-Fr ca. 7,5 Stunden pro Tag

MEINE AUFGABE: Ich darf an der Seite und unter Anleitung von PHD-Studentin Verena Sigl arbeiten.

  Ovarektomie

14/09/10
Gerade als ich den Griff der Eingangstür des Institutes in der Hand hielt, ging die Sirene los- FEUERALARM! Jener war zum Glück nur ein Test, doch der Tag ging aufregend weiter…
…Wir verbrachten den ganzen Tag im Mouse House (mit Mittagspause), denn wir hatten vor 20 Mäuse zu operieren. Für eine weitere Versuchsreihe von dem bereits erwähnten Experiment (siehe 02/09/10, Krebsforschung) mussten wir weitere Mäuse ovarektomieren.
Zuerst narkotisierte ich sie, indem ich ihnen ein Gemisch aus Ketasol (muskelentspannend, anästhesierend), Xylasol (schmerzlindernd) und Kochsalzlösung in den unteren Bauch injizierte. Verena schnitt die Maus an der Seite auf; ein Schnitt in das Fell, danach kommen die Muskelfasern zum Vorschein, welche sich mit der Pinzette zur Seite ziehen lassen, dann ein Schnitt in die innere, festere Haut – und schon sieht man in den Bauchraum. Jetzt gilt es den EIERSTOCK zu finden. Er sitzt als winziges, weißes Körnchen auf einem Fettgewebe. Der Uterus wird mit einem Faden abgebunden und das Ovarium mitsamt Fettgewebe heraus geschnitten. Den Rest wieder im Bauch verstauen und zunähen. Noch nicht fertig! Es gibt ja noch den 2. Eierstock auf der anderen Seite.



Der Mäuseorganismus verträgt Narkosen generell nicht so gut und um ein zu starkes Absinken der Körpertemperatur zu vermeiden, bekamen unsere Patienten ein „Papiermäntelchen“ und wurden unter die Wärmelampe gelegt. Leider starben trotzdem 3 Mäuschen.
Meine Aufgabe war es außerdem, die Mäuse zu wiegen, ihnen die Augen einzutropfen (damit die offenen Augen während der Narkose nicht austrocknen) und sie zu clipsen.


Mäuschen in Papiermäntelchen unter der Wärmelampe



Danach wurden die „Referenzmäuse“ SCHEINOPERIERT. Das heißt, man schneidet sie genauso auf, führt keine Ovarektomie durch, sondern näht sie gleich wieder zu. Man macht das, um Faktoren der OP an sich zu berücksichtigen und gleiche Bedingungen für beide Testgruppen herzustellen. Diese sham (engl. Schein- im Vgl. zu ovx=ovarectomy) Mäuse durfte ich operieren.


Die innere Haut zunähen

Schon nach den ersten Schnitt kam ich gut damit zurecht und auch das Zunähen-erst die innere Haut-Knoten mit den Pinzetten-dann das Fell-Knoten-funktionierte, nachdem ich Verena aufmerksam zugeschaut hatte, ganz gut! Fertig. Erleichtert spürte ich das Mäuseherz in meiner Hand schlagen.

  … und das ist erst der Anfang…..

01/09/10
Meinen Megagrinser verdeckt ein Mund-und Nasenschutz vollständig und auch sonst, lässt sich meine freudige Aufregung maximal an einem Blitzen in den Augen erkennen, denn der Rest ist vom Haarnetz über rosafarbenen Ganzkörperoverall bis hin zu den blauen Überschuhen verpackt. Wir befinden uns im Mäusehaus im Keller des Institutes. Um diesen Bereich möglichst steril zu betreten, musste ich vorher noch 1 Minute lang unter die „Airshower“.

Airshower

Airshower

AUFGABE HEUTE: Mäuse sortieren. Die Jungen müssen zur Entwöhnung von den Eltern getrennt werden. Verena machte es mir vor: Die Maus am Schwanz aufheben – schauen, ob sie ein Männchen, oder ein Weibchen ist – absetzen. Handgriffe, die sie schon hunderte Male gemacht hat, kosten mich einige Überwindung….
Ein paar Mäuse werden geclipst, dass bedeutet sie bekommen zur Identifizierung kleine Löcher in die Ohrläppchen gestanzt.





Nach der Mittagspause meint Verena zu mir: „ Jetzt gehen wir EINKAUFEN!“ Hmmm??
Das Gebäude ist ein Labyrinth aus, wie mir scheint, unendlich vielen Türen, welche man mit einer „Access-Card“ passieren kann und hinter einer, liegt der „Store“. Hier kaufen die Forscher ihrer Ingredienzien für diverse Experimente ein. Wir benötigen Polymerase und eine spezielle Bufferlösung, um später eine PCR (Polymerase Chain Reaction) durchführen zu können.

Mit Trockeneis assoziierte ich bisher unser Theaterstück in der Volksschule, als wir damit Dampfeffekte erzielten, oder diverse physikalische Spielchen, wie Rosen frieren, usw.
Heute ließ das CO2, welches davon entwich, 3 Mäuse ersticken. Es waren 3 schwangere Mäuse (14.-20. Tag) und Sinn und Zweck der Sache ist, sich sämtliche Organe und Gewebe genauer anzuschauen, inwiefern sich diese während der Schwangerschaft verändern und weiter, welche Gene dafür zuständig sind. Die Darmlänge nimmt z.B. zu. Verena zerlegte die erste Maus.

Ehrlich gesagt, es gab einen Moment, in dem es mir kalt über den Rücken lief, doch dann wich dem Schauer Faszination und ein kleiner Trost, dass die Maus wirklich fast vollständig verwendet wird. Thymus, Herz, Lunge, Leber, Milz, Nieren, Magen, Darm, Brustdrüsen, Gehirn und die Embryonen (ca. 8 Stück/Maus), ja sogar ein Haxerl (Muskelgewebe) werden in Formalin eingelegt. Die nächste Maus durfte ich sezieren.

Begeistert von diesem ersten Tag am IMBA, ging ich nach Hause. Ich bin sehr froh, ausgerechnet hier gelandet zu sein und freue mich auf einen interessanten und lehrreichen Monat im Labor.


Ca. 98 Käfige gehören Verena




02/09/10
Der NÄCHSTE TAG begann mit einem Frühstück im Speisesaal zusammen mit einigen Mitgliedern der Penninger-Gruppe. Dann wurde pipettiert!!! Verena hatte am Vortag Bakterienkulturen in Petrischalen angesetzt, welche sich über Nacht vermehrten. In ihr Erbmaterial hatte sie ein bestimmtes Plasmid eingebaut und die Bakterien dazu benutzt, um diese neue Kombination zu vermehren. In vielen verschiedenen Schritten lösten wir die Plasmide nun wieder heraus. 72 Proben pipettierten wir und zwischen jedem Schritt mussten diese zentrifugiert werden. Abschließend führten wir eine PCR durch. Ich durfte das, zu deren Auswertung benötigte Agarosegel herstellen und die Taschen füllen, was, aufgrund der geringen Mengen (Mikroliter), gar nicht so einfach ist.

Am Nachmittag ging es wieder ins Mäusehaus. Heutige Aufgabe ->KREBSFORSCHUNG.
6 Mäusen, an denen eine Ovariotomie durchgeführt wurde und 6 normalen Mäusen wird ein Progesteron-Pellet unter das Fell gesetzt. Bei vorhergehenden Versuchen zeigte sich, dass die Mäuse, denen die Eierstöcke entfernt wurden, im Vergleich erst später an Krebs erkrankten. Das hat damit zu tun, das bei übermäßiger Zufuhr des Hormons (Progesteron) die Stammzellen in den Eierstöcken aktiv werden und die Zellteilung außer Kontrolle gerät. Da Experiment wird wiederholt, um die Gültigkeit der Ergebnisse zu beweisen und weiter, um herauszufinden, welche Gene verantwortlich sind.

Während wir in bekannter Schutzkleidung im Labor standen, die Mäuse narkotisierten und ich die Stelle, an der Verena das Implantat einsetzte ausrasierte, meinte ich zu meiner Betreuerin: „Das hier gehört wohl zu den verrücktersten Dingen, die ich je gemacht habe!“ Unter dem Mundschutz erahnte ich ein Lächeln und sie sagte, indem sie mit einem Stich die Maus wieder zunähte und sie anschließend unter die Wärmelampe bettete: „Das hab ich mir früher auch gedacht!“
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